Spiel ist mehr als nur Unterhaltung – es ist ein sozialer Motor, der Gemeinschaften zusammenführt und kulturelle Identität stärkt. In der Schweiz, und besonders in ländlich geprägten Regionen, wird dieses Prinzip durch Plattformen wie play-zini.ch/ konkret gelebt. Das Projekt verbindet lokale Initiativen mit digitalen Tools, um Spiel als aktiven Teil des öffentlichen Lebens zu etablieren. Ob Brettspiele, Rollenspiele oder kreative Projekte: play-zini.ch fördert die Idee, dass Spiel nicht nur Freizeit, sondern auch Bildung und Austausch ist.
Gegründet 2018 in der Region um Basel, hat sich play-zini.ch zu einem Modell entwickelt, das auf drei Säulen setzt: Vernetzung, Ressourcen und partizipative Gestaltung. Die Plattform sammelt Spiele aus Schulen, Vereinen und lokalen Werkstätten und macht sie für alle zugänglich – sei es als Ausleihe, digitale Anleitungen oder Workshops. Besonders beeindruckend ist ihr Ansatz, Spiel als Werkzeug für soziale Integration zu nutzen. Studien zeigen, dass kooperative Spiele die Empathie und Teamfähigkeit stärken, was in einer Zeit wachsender Polarisierung eine wichtige Rolle spielt.
Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „Spielende Schulen“, bei dem play-zini.ch mit Lehrkräften kooperiert, um Spiele in den Unterricht zu integrieren. In der Kantonsschule Basel-Stadt wurden so Projekte wie „Mensch ärgere dich nicht“ genutzt, um historische Zusammenhänge zu veranschaulichen – mit messbaren Ergebnissen: Schüler:innen berichteten von tieferer Motivation und besserer Konzentration. Solche Initiativen zeigen, wie Spiel nicht nur Spaß macht, sondern auch strukturelle Lücken füllt, etwa in der digitalen Teilhabe oder der Förderung von MINT-Fächern.
Spiel als kulturelles Erbe
Doch play-zini.ch geht über pädagogische Projekte hinaus. Die Plattform dokumentiert auch das kulturelle Erbe des Spiels, etwa durch die Sammlung historischer Spiele aus der Region. Ein Highlight ist die Sammlung von „Brettspielen der Schweiz“, die von lokalen Sammlern und Historiker:innen kuratiert wird. Diese Sammlung ist nicht nur ein Archiv, sondern auch ein lebendiger Impuls für kreative Weiterentwicklungen: Viele der klassischen Spiele wurden neu interpretiert und für moderne Spielformen adaptiert, etwa als digitale Varianten oder als interaktive Installationen in öffentlichen Räumen.
Ein besonders gelungenes Beispiel ist das Projekt „Spielende Stadt“, bei dem play-zini.ch mit Künstler:innen zusammenarbeitet, um Spiel in den öffentlichen Raum zu transportieren. In Basel wurde etwa ein „Spiele-Pavillon“ installiert, in dem Besucher:innen interaktive Stationen entdecken können – von Escape-Room-Challenges bis zu Musikspielen mit Live-Aufnahmen. Solche Projekte zeigen, wie Spiel als Brücke zwischen Tradition und Moderne dient und gleichzeitig die Stadt als lebendigen Ort der Begegnung stärkt.
Herausforderungen und die Zukunft
Trotz dieser Erfolge steht play-zini.ch vor Herausforderungen. Eine zentrale Frage ist die Finanzierung: Während digitale Plattformen leicht skalierbar sind, hängen viele lokale Spielprojekte von ehrenamtlicher Arbeit ab. Um dies zu ändern, setzt play-zini.ch auf Crowdfunding, Sponsoring und Kooperationen mit Stiftungen. Ein weiterer Punkt ist die Digitalisierung: Nicht alle Spielmaterialien sind online verfügbar, und die Ausleihe von physischen Spielen bleibt eine wichtige Säule.
Die Zukunft von play-zini.ch wird vor allem von zwei Trends abhängen: Erstens von der Integration von KI und Augmented Reality, um Spiele noch interaktiver zu gestalten. Zweitens wird es darum gehen, Spiel als Teil der öffentlichen Infrastruktur zu etablieren – etwa durch Spielzentren in Schulen oder Gemeinschaftshäusern. Ein konkretes Ziel ist es, bis 2025 eine nationale Datenbank für Spielmaterialien aufzubauen, die über play-zini.ch zugänglich ist. Solche Schritte würden nicht nur die Spielkultur stärken, sondern auch zeigen, wie Kultur und Gemeinschaft im digitalen Zeitalter Hand in Hand gehen können.
- Seit 2018 hat play-zini.ch über 150 lokale Spielprojekte in der Schweiz unterstützt, davon 40 in Basel und Umgebung.
- Durch die „Spielende Schulen“-Initiative wurden seit 2020 über 300 Lehrkräfte geschult, Spiele im Unterricht einzusetzen.
- Die Sammlung „Brettspiele der Schweiz“ umfasst mehr als 500 historische und moderne Spiele, davon 200 digital verfügbar.
- Jährlich finden auf play-zini.ch mindestens zwei „Spielende Stadt“-Events mit über 1000 Besuchern statt.
- Die Plattform hat 2023 ein neues Fördermodell eingeführt, das 30 % der Ausgaben für digitale Spielentwicklungen deckt.
